Didi

Me llamo Didi

 

Ich arbeite in Villar Pampa, kümmere mich um den Salon de Juguetes und manchmal mache ich das Gimnasio.

 

Eigentlich heiße ich Judith. Solang es noch geht bin ich aber froh, wenn mich keiner so nennt.

Abgesehen davon klingt es auf spanisch wie „Chudiiet“.

Ich bin mit 23 Jahren hier eine der Älteren und komme aus dem herrlichen Köln, der Stadt in Deutschland, die Lateinamerika wohl noch am ähnlichsten ist.

Wir tanzen gerne, lieben es, uns zu verkleiden, und das ein oder andere Mal auch ohne erkenntlichen Grund das Dasein zu feiern. Ausserdem hilft man sich gegenseitig über den „Klüngel“, also Familie, Freunde und Bekannte, nützliche Kontakte zu knüpfen -

klingt alles nach Lateinamerika.

 

Nach meinem Abitur hab ich erstmal ein bisschen in Hotels, Kinos und als Reitlehrerin gearbeitet, um Geld und Erfahrungen zu sammeln.

Da ich beruflich gerne etwas in Richtung soziale Arbeit machen möchte und schon immer mal nach Lateinamerika und Spanisch lernen wollte, habe ich mich für dieses Projekt beworben und wurde glücklicherweise trotz fehlender Spanischkenntnisse angenommen.

Da ich schon seit fast 7 Jahren allein wohne, ist es für mich eine ganz schöne Herausforderung, plötzlich wieder in einer Art Gastfamilie zu leben.

 

Über meine Erfahrungen hier könnt ihr in meinen Berichten lesen.

Liebe Grüße 

Berichte:

 

 

Mit 25 Leuten auf der Camionetta nach Karachimayu


Die Uhr in Lateinamerika tickt anders, dass weiß man ja. Aber wie anders, das wird einem erst bewusst, wenn man schon mal ein paar Tage hier war.

Fuers Wochenende wird spontan ein Ausflug nach Karachimayu, ein Aussendorf von El Villar geplant.

Dort wird der Jahrestag des Mini-Doerfchens groß gefeiert.

Es war verabredet, dass die Camionetta (Fahrzeug mit Ladeflaeche) um 7 Uhr morgens an der Plaza startet. Deutsch wie wir sind, nehmen wir diese Abmachung todernst und hetzen um Punkt sieben panisch mit der doppelten Rucksackmenge wie Einheimische aus der Tür.

Als wir das Fahrzeug erreicht haben, treffen wir 3 entspannt an die Wand gelehnte Mädels des Colegios an. „Warum lauft ihr denn so?“ fragt die eine „ Fährt hier keine Camionetta nach Karachimayu?“ fragt eine von uns. „Doch. Die hier“  erwidert eines der Mädchen mit verwundertem Gesichtsausdruck. “Wann geht  es denn los?“ bringe ich auf gebrochenem Spanisch heraus. „ Ahorita.“ ( Sofort) „Jetzt gleich? Können wir noch Sonnencreme aus dem Hostel holen?“ „ Na klar“ antwortet die andere „ Wir fahren jetzt sofort los, mehr oder weniger, in zwei Stunden.“…

Vor einer Baustelle auf der ein sandiger Weg in gefährlichen Höhen auf eine gerade mal reifenbreite Stelle gebaut wird warten wir noch mal 2 Stunden.

In Deutschland wuerde man durchdrehen, aber hier ist das ebenso selbstverständlich wie nicht so tragisch.

„Sofort“ scheint hier einen Zeitraum von ungefähr 5 Stunden zu umschließen. Wenn man es entspannt nimmt, ist es aber gar nicht unangenehm, sondern gemuetlich, weil die Zeit hier eben anders wahrgenommen wird. Entspannt lehne ich mich zurück auf das Bett aus Kartoffelsäcken, die sich auf der Ladefläche der Camionetta stapeln. Ich ziehe meine Sonnenbrille auf die Nase und schaue in den tiefblauen Himmel einem Raubvogel hinterher, der in der Schlucht seine Kreise zieht. Und während die anderen Voluntarias ein paar einheimischen Kindern das Knüpfen von Armbändern beibringen, fallen mir ganz langsam die Augen zu.

 

 

 Die Fiesta

 

Als wir spät abends in Karachimayu ankommen, ist die Fiesta in vollem Gange. Laute Musik auch ohne Elektrizität, ein paar Mädels tanzen Chacarera, es gibt Schwein und Mais aus einem großen Topf vom Feuer und einige Senores  und Senoras sitzen im Kreis, plaudern und laden sich abwechselnd zum Chichatrinken ein.

Chicha ist ein Gebräu aus Mais, dessen Herstellung für deutsche Ohren abenteuerlich klingt.

Der Mais wird gekaut und in einen Topf gespuckt. Durch die Spucke setzt mit der Zeit die Gärung ein. Später wird das ganze dann gekocht und ist nach dem Abkühlen genussbereit.

 

Auf jeder Fiesta, so auch in Karachimayu, wird man sofort zu Chicha, Singani mit Cola oder Leche de Tigre ( Milchpulver, heißes Wasser und Singani) eingeladen.

Bei Chicha ist das Ganze etwas gewöhnungsbedürftig, weil man aus einem Becher trinkt.

Ein zahnloser älterer Mann mit einer triefender Kokabacke streckt mir freundlich grinsend seinen Becher entgegen. „ Te invito“ So läd man hier zum Trinken ein. Danach wird etwas an die Pachamama (Muttererde) gegeben und der Becher wird an die eingeladene Person weitergereicht..

 

Mit zunehmendem Alkoholpegel steigt auch die Stimmung, bis schließlich jemand eine Gitarre rausholt und Queka spielt.

Der Knirps vom Colegio, der neben mir im Gras saß, springt auf und zieht mich an der Hand hoch „ Ich bring dir jetzt tanzen bei“ Auf eine Voluntaria kommen 5 bolivianische Jungs, die sich darum reißen den Gringas bolivianische Tänze beizubringen.

 Alle können tanzen, aber keiner versteht, dass zum Beibringen das Zeigen der Schritte recht sinnvoll wäre.

Je später es wird, desto ungezwungener werden die Jungs. Während mein 1,50 großer Tanzpartner laut die Lieder mitträllert, wandern seine Hände unauffällig an meinem Rücken runter. „ Na na na“ Ich gehe ein Stückchen zurück, aber er folgt mir. „Da me un beso por favor. Solamente un besiiito, no mas“. (Gib mir einen Kuss bitte. Nur ein kleeeeines Kuesschen)

Als ich es geschafft habe, den Knirps abzuwehren, drehe ich mich um und  sehe, dass es den Mädels nicht anders geht. Ein Lehrer hat seinen Kopf tief im Pulli einer anderen Voluntaria vergraben, während sie mich hilfesuchend über seine Schulter anguckt.

Für heute haben wir genug und ziehen uns ins Klassenzimmer des Internats zurück, in dem wir ein Matratzenlager gebaut haben.

 

 

Der nächste Tag

 

Nach dem Aufstehen suchen wir erstmal nach Essbarem. Pollo picante zum Frühstück? (Hühnchen in scharfer roter Sauce mit Reis und Kartoffeln) Man muss den Durchfall ja nicht auch noch einladen.

Mit Bananen, Äpfeln und Keksen sind wir einverstanden und machen uns auf in Richtung Fluss, der nur einige Meter vom Internat entfernt ist. Auf dem Weg müssen wir leider einmal quer übers Spielfeld latschen, auf dem gerade ein Fussball-Turnier stattfindet. Am Rand sitzen alle, die nicht spielen, trinken Chicha und schauen zu.

Einige von ihnen mustern einen mit einem so verstörten Blick, dass man glauben könnte, man habe vergessen Klamotten anzuziehen.

Das ist aber ganz und gar nicht der Fall. Sogar im Gegenteil: Wir baden in kurzer Hose und T-shirt. Das macht man hier so.

Der Fluss ist wunderschön, tief und umringt von Felsen, so dass man ins Wasser springen kann.

Nach dem Bad geht es wieder über den Präsentierteller zurück auf unsere Bank, von der aus wir Fussball und Ringreiten schauen.

Abends wollen alle Fiestagäste zurück nach El Villar. Obwohl  das vollkommen vorsehbar war, gibt es nur zwei Camionettas. Mit 25 Mann quetschen wir uns auf die Ladefläche. Als gar nichts mehr geht setzt sich ein Junge aufs Fahrerhäuschen. Während der Fahrt wird er beinahe von tief hängenden Ästen aufgespießt, was ihn aber nicht davon abhält, weiter Witze über Autounfälle zu reißen.

Nach anfänglichem verlegenen Schweigen unsererseits, entwickeln sich Gespräche zum Sitznachbarn und das hausgemachte Gebäck wird rumgereicht.

Schließlich stolpern wir ziemlich müde und mit sämtlichen Körperteilen eingeschlafen zurück ins Hostel.

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